10 Dinge, die die Streetparade einzigartig machen

Hach, die Streetparade. Zürich, vollgestopft mit einer bunten Mischung aus Jung, Alt und irgendwas dazwischen, unterstrichen durch – je nach Ansicht –  mehr oder minder musikalische Beilagen. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Man empfindet es als Störung oder als riesiges Volksfest, wo alle plötzlich mit allen Spass haben. Und seien wir ehrlich: Abgesehen von der Fasnacht gibt es das hier bei uns in der schönen Schweiz nicht allzu oft.

Ich werde dieses Jahr wieder einmal auf einem Lovemobile abtanzen und dem Motto “young, wild and free” so gut wie möglich nachleben, um mich danach gefühlte 3 Wochen davon zu erholen. Es ist laut, die Bässe lassen den ganzen Körper vibrieren und normalerweise ist es auch heiss. Dieses Jahr wird es kalt, aber hey, wir lassen es uns deswegen sicher nicht vermiesen. Denn es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die die Streetparade einzigartig machen. Spread the love!

1. Die Tatsache, dass mit Autocorrect im Titel fast “Streetparade” zu “Streitparade” wurde.

2. Die asiatischen Touristen, die sich die Schweiz irgendwie friedlicher und weniger nackt vorgestellt haben. Deswegen irren sie mit schockiert-verwunderten Gesichtern umher und kehren sicher nie, aber auch wirklich nie wieder zurück. Es gibt bei uns übrigens auch Nacktwandern, btw.

3. Vielleicht nicht wirklich einzigartig, aber jedenfalls selten: Die coolen Partypeople der Gruppe Ü80, die mit Lendenschürzen und BH’s die Strassen Zürichs unsicher machen. Oder der ältere Herr, der fast jedes Jahr mit Mickey-Mouse-Shirt auf einem der Wagen abgeht. Der ist echt einzigartig toll.

4. Meine Motivation, den ganzen Tag und die ganze Nacht durchtanzen und feiern zu wollen. Normalerweise schaffe ich es bis um 2:00 und will nach Hause. Schlafen und so.

5. Bei den Kostümen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man kann natürlich auch halbnackt gehen, das sei jedem dahingestellt. Aber irgendwie schlägt mein Herz eher für die, die mit den aufblasbaren Dinokostümen durch die Gegend reiten.

6. Die Flirtattacken. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, wo ich an der Streitparade single (und halbwegs ready to mingle) bin. Da kann man die Nummern, die auf Zugbillets, Servietten oder Bierdosen (woher hatten sie nur einen wasserfesten Stift dafür?) aufgeschrieben werden, auch wirklich schätzen.

7. Der musikalische Mix. Früher war die Streetparade eher von Techno geprägt, heute dominieren eher andere elektronische Musikrichtungen. Für einige klingt wohl alles gleich, aber wer EDM mag, kommt bei der Streetparade voll auf seine Kosten. Nz, nz, nz.

8. Die Leute, die sich in den Gebüschen verstecken, sind eines meiner persönlichen Highlights. Jedes Jahr sehe ich den gleichen, unheimlichen Mann mit ungepflegten Haaren, der sich im gleichen Gebüsch versteckt und die gleiche Kamera zückt. Und jedes Jahr mache ich ein Foto von ihm, weil Persönlichkeitsrechte an der Parade nicht mehr existieren.

9. Das Swisscom-Netz. Ich will nicht schwarz malen und es mag auch sein, dass ich mich täusche. Aber oft ist es nicht mehr möglich, verlorene Freunde wiederzufinden, weil man sie nicht erreichen kann. Und in der Menschenmasse? Ha ha ha.

10. Der Morgen danach. Der ist oft schrecklich, aber am Sonntag nach der Streetparade brummt nicht nur der Schädel, sondern mein ganzer Körper. Dieses Jahr hatte ich auch die glorreiche Idee, am selben Abend dann noch in die Ferien zu fliegen. Judihui, das wird lustig.

 

Neuer Wohnort, Neuanfang?

Adieu, Bern. Ich sage das schweren Herzens, denn ich liebe unsere Hauptstadt. Die gemütlichen Bars und Cafés, die verschlungenen Gässchen, der gemächliche Gang der Dinge. Als Solothurnrein hat mich der Charme von Bern nicht mehr losgelassen. Aber jetzt nach dem Studium ziehe ich nach Genf. Das grosse, unübersichtliche, kosmopolitische Genf, das mir zwar auch immer gefallen, aber auch ein bisschen Angst gemacht hat. Ich bin zwar eher Stadt- als Landmensch, aber Solothurn ist eine Kleinstadt, mit Kleinstadtmenschen und Schweizerdeutsch. Obwohl ich Französisch liebe, habe ich Respekt davor. Vor allem vor Slang und der Tatsache, dass es lange gedauert hat, bis ich begriffen habe, das “meuf” die Verlan-Version von “femme” ist. Pourquoi?

Wir sind dieses Wochenende umgezogen. Die Kartons haben sich gestapelt, die Putztücher wirbelten wild umher und es wurden Tränen vergossen. Vor allem, als meine langjährige Freundin und Mitbewohnerin und ich in der leeren, unpersönlichen Wohnung standen, die mit so vielen persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Es war für uns beide die erste, eigene Wohnung – und sie hätte nicht besser sein können. Ich bin mit knapp 20 dort eingezogen und nun, fünf Jahre später, hat sich so viel verändert. Wir sind dort quasi erwachsen geworden, jedenfalls erwachsener. Wir haben dort gelernt, gelitten, geliebt. Es ist zwar nur ein Ort, aber die knarzige Treppe und die ringhörigen Wände waren unser zu Hause. Man sollte Emotionen nicht so stark mit Objekten verbinden, aber es geschieht bei mir automatisch. Ich sehe einen Gegenstand und verbinde es mit Erlebnissen. Das Gelächter auf dem Sofa, die Balkonsessions mit Moscato und die Herdplatte mit unseren ersten, nicht ganz so überragenden Kochversuchen. Das Alleinleben klingt so einsam, wenn man sich gewöhnt ist, dass immer jemand da ist. Aber es ist Zeit für einen Neuanfang, wie alle sagen. Neue Stadt, neues Leben, oder jedenfalls ein neuer Lebensabschnitt. Mit letzterem bin ich einverstanden. Es ist eine Art Neuanfang, aber ich hänge an der Vergangenheit. Und die Gegenwart ist weiterhin geprägt von den Menschen, die mich bisher immer begleitet haben. Ein Neuanfang mit Stützrädern, sozusagen.

Lesestoff: “All the light we cannot see” (Anthony Doerr)

Leider komme ich nicht mehr so oft zum Lesen wie früher. Die Lehrbücher, das Muss, stapelten sich und mein schlechtes Gewissen hält mich regelmässig davon ab, jeden Monat einen neuen Roman anzufangen. Ein klassischer Fall von “Die Pflicht ruft” – aber die Sommerferien, nach den Prüfungen, sind gemütlichen Nachmittagen im Liegestuhl gewidmet, ein tolles Buch in der Hand. Der Vorteil an diesem literarischen Zeitmangel liegt darin, dass ich inzwischen selektiver sein muss. Texte, die mich nicht berühren oder packen, lasse ich nun liegen. Letztes Beispiel: “Go Set a Watchman” von Harper Lee. Ich wuchs mit Atticus und Scout auf, “To Kill a Mockingbird” ist immer noch eine der Geschichten, die mir ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Der Nachfolger war für mich aber eine herbe Enttäuschung. Deswegen musste nun neuer Lesestoff her, um diese Enttäuschung ertragbarer zu machen.

Anthony Doerr ist ein Meister. Ein Virtuose, wenn es darum geht, Situationen aufleben zu lassen, aber ohne sich der gängigen Klischees zu bedienen. Obwohl die Themen Dauerbrenner sind – der zweite Weltkrieg und seine Folgen für die Beteiligten verschiedener Nationen, ein blindes Mädchen, ein verbissener Bösewicht, der einen kostbaren Schatz sucht –, ist die Verflechtung originell und spannend. Es wirkt nicht abgelutscht, um es banal zu sagen. Vielmehr fesselt es den Leser, man riecht den Rauch in der Nase, spürt die salzige Luft auf der Zunge und streckt die Hand helfend aus, weil man sich inmitten des Geschehens fühlt. Die Charaktere sind lebendig und trotz der verschiedenen Erzählstränge wird es durch den roten Faden, der Suche nach einem kostbaren Stein, dem Fassen nach einer unfassbaren Legende, nachvollziehbar. Obwohl ich die Geschichte genoss, ist es die Sprache, die mich faszinierte. Deswegen lege ich es euch auch ans Herz, den Roman in der Originalsprache Englisch zu lesen. Denn die Wortwahl ist so gelungen und schön, dass es sich anfühlt, als würde man gleichzeitig einen Poesieband lesen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem Brief, den der junge Werner als deutscher Soldat seiner Schwester Jutta schreibt. In seiner Simplizität bewegend, in der zugrundeliegenden Botschaft erschütternd.

Dear Jutta,

…I have been feeling very clearheaded lately and what I want to write about today is the sea. It contains so many colors. Silver at dawn, green at noon, dark blue in the evening. Sometimes it looks almost red. Or it will turn the color of old coins. Right now the shadows of clouds are dragging across it, and patches of sunlight are touching down everywhere. White strings of gulls drag over it like beads. It is my favorite thing, I think, that I have ever seen. Sometimes I catch myself staring at it and forget my duties. It seems big enough to contain everything anyone could ever feel.”

Erkenne deinen eigenen Wert.

Ich bin kein Lifestyle-Coach und auch keine Expertin im Tipps fürs Leben geben. Doch manchmal ist ein persönlicher, auf eigenen Erfahrungen aufbauender und ehrlicher Ratschlag von jemandem, dessen einzige Ausbildung in diesem Bereich die Lebensschule an sich ist, fast hilfreicher. Ein virtueller Kaffeekranz mit Freunden; ein über das World Wide Web reichender Händedruck – so sehe ich diesen Eintrag. Und ein bisschen als Motivation für das Wochenende.

Denn den eigenen Wert zu erkennen ist zentral. Früher konnte ich das nicht wirklich. Wer sich zu stark auf seine Schwächen konzentriert, vergisst dabei die eigenen Stärken, hat mir eine Freundin gesagt. Das heisst natürlich nicht, dass man nicht an sich selbst arbeiten sollte. Einen ungefilterten Blick in den Spiegel lohnt sich immer. Andererseits heisst es aber noch lange nicht, dass man sich selbst unter Wert verkaufen soll. Wer dich nicht schätzt, hat dich vielleicht auch nicht verdient. Klingt simpel, aber bei der Umsetzung in der emotionalen Praxis hapert es da oft ein bisschen. Deswegen muss ich manchmal tief einatmen und zwischenmenschliche Beziehungen neu evaluieren, sei es eine Freundschaft oder in der Liebe. Ein mulmiges Bauchgefühl ist dabei der erste Indikator. Wenn ich mich nach einem Treffen nicht leichter fühle, nicht glücklicher als vorher, dann läuft etwas falsch. Schlechte Menschen gibt es in meinen Augen eher selten. Es sind eher Menschen, die nicht zu dir passen. Nicht in deinen Alltag, nicht in deinen Freundeskreis, nicht in deine Herzenslandschaft. Das zu realisieren kann schmerzen, ist aber auch sehr befreiend. Denn niemand hat unendlich viel Zeit – und das Aufgeben von jemandem, der dir kein gutes Gefühl (mehr) gibt, schafft Platz für neue Persönlichkeiten oder für solche, die mehr Platz als vorher verdient hätten.

“Erkenne deinen eigenen Wert” ist also das Motto. Du bist einzigartig. Du hast vielleicht deine Fehler und Macken, aber das Wichtigste ist, dass du mit Überzeugung sagen kannst: Ich bin ein guter Mensch oder versuche zumindest, jeden Tag ein besserer Mensch zu werden. Ich bin ehrlich, offen und treu. Ich gönne meinen Liebsten alles, ich will für sie da sein und ich will diese Welt zu einem bunteren Ort machen. Ich bringe positive Vibes. Die Einsicht, dass nicht hinter jeder Kurve jemand wartet, der so ist wie ich, konnte ich vor einigen Jahren noch nicht offen benennen und zugeben. Es klang irgendwie arrogant, obwohl mir meine Schwächen immer bewusst waren. Doch es hat nichts mit Arroganz zu tun. Du darfst verlangen, dass dich jemand so behandelt, wie du es verdient hast. Du darfst ein Funkeln in den Augen erwarten und einen Seitenblick, der erkennen lässt, dass diese Person weiss, dass du nicht so einfach ersetzbar bist. Und du darfst auch gehen, wenn du merkst, dass die Person das nicht sieht oder es einfach nicht passt. Be happy. Das schuldest du dir selbst.

Technische Hindernisse

Ich habe schon etliche Male erwähnt, dass ich von Technik keine Ahnung habe. Meinen Freunden gegenüber, mündlich, schriftlich – ich offenbarte es sogar dem World Wide Web. Trotzdem scheinen alle zu vergessen, dass ich wirklich nicht viel von allem weiss, das man irgendwie einstecken oder mit einem On/Off Switch einschalten muss. Aus diesem Grund werde ich immer wieder in Lagen gebracht, wo ich mit meinem Unwissen konfrontiert werde. Bei der letzten Grillparty witzelte jemand sogar, ich würde den Unterschied zwischen einem Toaster und einem Elektrogrill nur vage kennen. Witzig, aber leider wahr.

Ladegeräte und ich: Eine Leidensgeschichte. Eine Tragödie mit sehr, sehr vielen Akten. Ich bin nicht einmal eines dieser Smartphone-Kinder, die immer und überall ein Ladegerät aus der Handtasche zaubern. Nein, meine Ladegeräte leben glücklich und gesund in meinem Zimmer, werden praktisch nie bewegt und auch nicht übermässig viel gebraucht. Trotzdem ist ihre Lebensspanne sehr überschaubar. Meistens dauert es einige Monate und dann kann ich bereits die Innereien sehen. Nein, ich weiss nicht, wie man das Innere eines Kabels nennt. Sue me. Deswegen habe ich mir einen “Wireless charger” gekauft. Klang gut, wie genau mein Ding. Bis es ankam und ich realisierte, dass ich für mein kabelloses Ladegerät ein Kabel brauche. Natürlich hatte ich mein letztes Ladegerät, welches kaum mehr funktionierte, bereits entsorgt. Ich starrte das UFO-ähnliche Ding an und verfluchte es. WTF. Wieso immer ich?